Apfelbaum_Fabel_KLDM

Fabel

Es stand ein Baum in voller Frucht,

bedeckt mit Äpfeln rot und prall.

Verleitend gar zu purer Sucht,

so schwer voll Obst, kam glatt zu Fall.

 

Doch statt der Ernte gütig dankend,

gab’s Streit und Neid um dieses Gut.

Der Baum, der kam schon leicht ins Wanken,

so packte ihn auch schliesslich Wut.

 

Der Mann auf dessen Grund er stand,

erzürnte täglich neu voll Hass,

ein Ast in Nachbars Reich sich wandt,

und dieser ass mit grossem Spass.

 

Zürnend nun der Baumbesitzer,

rechnen tat ganz mit Bedacht,

Bleistift zückte und den Spitzer,

5kg Obst vergab von Pracht.

 

Doch bei Hark von gegenüber,

ging der Streit nicht ganz vorüber.

Er sich im Geiste auch schon lab,

und ein Gedanke nicht verstarb:

Wie kann ich hiervon profitieren,

und hohen Nutzen daraus schöpfen?

So fing er an zu kalkulieren,

um beide dann auch gut zu schröpfen.

 

Gesagt, getan – schlich er sich an,

und nahm des Gartens hintre Tür.

Ein breites Grinsen zog sich dann,

als er auflief zur Heuchel-Kür.

 

So sprach er mit dem Eigentümer,

und Äpfel wurden kurz viel grüner.

Er rechnete ihm vor Verlust,

sprach böse über Nachbarn gar

und erntete den vollen Frust,

Besitzer nun sein Leid gebar.

 

Doch eines was er auch erzeugte,

war das Gefühl zum Apfelherrn,

denn Frust nun diesen fast schon beugte,

und gab Geschenk an Hark gleich gern.

 

Er fühlte sich doch so verstanden,

und diesen nun als Freund ansah.

Gesunder Blick ging gleich abhanden,

zu dumm, dass er nicht schlauer war.

 

Der Hark alsbald vom Platz verschwand,

zur Hintertür das Reich verliess.

Sich kurz darauf beim Nachbarn fand

und diesen sofort auch verdriess.

 

Das Spiel vollzog er andersrum,

der Nachbar war genauso dumm.

Auch dieser fühlte sich verstanden,

und ebenfalls ging Blick abhanden.

Darauf auch er den Hark beschenkte,

dass Hark dabei sich fast verrenkte.

 

Verrenkt aus Lüg’ und böser Rede,

er dieses Spiel nun täglich trieb.

Er heizte ein der Apfel-Fehde,

dem Baum dann nur noch eines blieb.

 

Er fiel gespalten zu Boden.

 

Moral der Geschicht: „Ich häng mein Mäntelchen nach dem Wind, drum sag ich dir geschwind: Opportunisten schleichen sich immer von hinten in dein Leben und manipulieren stets zu ihrem Vorteil. Es handelt sich um eine Art bereitwillige Anpassung an die jeweilige Lage, aus Nützlichkeitsabwägung und ohne Rücksicht auf Konsequenzen.

 

Mehr Poesie und Einblick in manch charakterliche Tiefen in: Kreativer Gesellschaftsumbruch – Integration & Generationenschuld.

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