Fabel

Von der Herde abgetrennt,

lief sie durch den heissen Sand.

Zählte nur auf ihr Talent,

Schnelligkeit und den Verstand.

Doch!

Mit knurrendem Magen erschien die Meute,

frohlockend und hungrig – auf fette Beute.

Schmatzend und lechzend kam sie daher,

selbstgefällig mit Gier nach mehr.

Der Rudelchef sie dann beäugte.

Sein Fleischbeschau ihn überzeugte.

„Das wird unser Abendschmaus“,

grinste er und scherte aus.

Direkt er dann auch vor ihr stand,

sprach er nun ganz unverwandt:

„Willst du nicht sofort aufgeben?“

„Nein“, sagt sie. „Ich zeig dir was.

Du wirst staunen und ich leben.

Also, überleg dir das.“

Unter schallendem Gelächter,

trat die Meute an sie ran,

„Was bist du für ein Verfechter?

Du weisst nicht, was ich so kann.“

Meinte Chef und grinste schon.

Meute sich dann niederlegt.

Geifert und knurrt mit viel Hohn:

„Die mach platt, wird weggefegt.“

 

Schnell senkt sich der Antilopen-Kopf.

Feine Hörner stechen scharf.

Meute gafft wie toter Zopf.

Und sie Chef zu Boden warf.

Tänzelt plötzlich hin und her,

Meute auf die Beine kommt.

Macht jetzt Spass und sie will mehr,

Hörnchen nehmen Zweiten prompt.

Dabei schlägt sie hinten aus.

Harte Hufe treffen Münder.

Meute nimmt darauf reiss aus,

hälts für klug und auch gesünder.

Chef jetzt reichlich angeschlagen,

sabbernd nun das Maul aufreisst,

doch der Gegner wird’s nun wagen,

sie ist besser und beweist:

 

Selbst wenn Gruppe überlegen,

und durch Mehrzahl dominiert,

musst du nur den Chef wegfegen,

führungslos kein Team agiert.

 

Gedichte auch auf @poesie_theater_seele

oder in Kreativer Gesellschaftsumbruch.

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