Schuld lösen

In dieser Szene wird ein Tief- oder Wendepunkt meines Integrationsprozesses illustriert, aber auch ein Punkt der Schuld-Hinterfragung offenbarte sich. Es geht in meinem ungewöhnlichen Ratgeber nicht um eine Abrechnung! Auch wenn meiner Tochter das besagte Kreuz auf den Schultisch geklebt worden ist, nahm ich dieses Ereignis zum Anlass,  mir die Frage nach dem WARUM? zu stellen.

Und das WARUM kann nur von uns Deutschen selbst beantwortet oder in Diskussionen gelöst werden. WARUM bedeutet sicher, ihr seid schuld. Natürlich sind wir schuld. Das steht auch in meinem Buch. Dennoch hege ich grossen Zweifel an dem Umgang mit der Schuld, mit der Generationenschuld. Was wird besser, wenn man uns kontinuierlich darauf hinweist, dass wir schuld sind? Kann man dadurch rechtsextremistische Tendenzen abwürgen oder gar verhindern? Ich kann das nicht feststellen, denn es gibt weiterhin extremistische Bestrebungen. Nun lautet der allgemeine Tenor, ja wir machen das, damit es nicht wieder passiert. Hm, wir reiten so lange auf der Schuld herum, damit es nicht wieder passiert. Das ist sicherlich ein gut gemeinter Ansatz und verständlich aus Sicht der Opfer und ihrer Angehörigen, aber ist es im Sinne unserer Kinder zielführend?

Nein, es führt dazu, dass auch heute noch, ca. 70 Jahre nach dem Krieg, unseren Kindern Kreuze auf Schultischen im Ausland geklebt werden. Wenn wir einen anderen Ansatz wählen und unsere Kinder aus der Schuld entlassen und nicht ständig die Schuld thematisieren, verliert die Schuld an Bedeutung. Das wäre toll für unsere Kinder, denn die Aufmerksamkeit anderer Nationalitäten nimmt ab. Das heisst auch, weniger Diskriminierung für Deutsche im Ausland. Die Frage ist nur, ob die Opfer und die alte Generation unseren Kindern Freiheit gewähren möchten?

Bisher ist noch nie ein anderer Ansatz im Hinblick auf die Generationenschuld gewählt worden. WARUM? Geht nur dieser Weg, der bisher bestritten wurde, denn die Trauer und der Hass ist noch so gross, dass nichts anderes möglich ist? Unsere Kinder und alle zukünftigen Generationen waren nicht dabei.  Strafe im Sinne der Gesamtabrechnung und zwar für immer?

(…) Auszug
Maître des Humors: « ….Hier geht es um mehr! Lasst den Gesamtblick zu! Es geht nicht um Schweizer und ein ….-kreuz auf einem Schultisch. … Sie gaben uns ihr Dorf und es half. Aber das Dorf könnte überall auf der Welt sein!»

Ja, danke, lieber Maître, es geht auch noch um die Unfreiheit der Worte, denn die wird ebenfalls von Generation zu Generation weitergegeben:

Gefühls-Chef:
Alte, lasst die Worte frei. Alte Zeit ist längst vorbei.
Wenn einer sie dann zweckentfremd’t, die Worte nutzt ganz ungehemmt,
dann spart euch doch den Fingerzeig, dass er sich schäm‘ und immer schweig‘!
Habt ihr nicht damals mitgemacht? Der Mut war klein und nun vermacht,
ihr uns das Leid im Nachhinein, die Welt, die lacht, das macht uns klein!
Doch will hier einer aufbegehren, ich bleib nicht ruhig, ich wird‘ mich wehren.
Pause.
Väter, der Väter, ihr macht mich zum Attentäter!
Ich richte mich nun hiermit hin, ich will nicht mehr, seh‘ keinen Sinn.

Mehr Text zum Nachdenken in Kreativer Gesellschaftsumbruch – Mein Leben als Theaterstück.

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