Kellerpolizei

Integration ist gar nicht so einfach, besonders wenn viele Nationalitäten aufeinandertreffen. Im Prosatext geht es zunehmend mehr um den 2. Weltkrieg, insofern kann Integration dann irgendwann wirklich sehr schwierig werden. Der Text handelt von einem Besuch einer israelischen Mutter, die sich recht «inquisitorisch» aufführte. Sie schien mir auf der Suche nach etwas zu sein und so kam es zu einer Art Untersuchung unserer Bibliothek. Bücher wurden aus Schränken hervorgeholt. Alte Bildbände gezeigt und verschlossene Schränke geöffnet, um selbst antiquarische Bücher hervorzuholen.

Ich fühlte mich zunehmend unwohler und verstand auch nicht, was sie antrieb. Schliesslich entdeckte sie ein Bild an der Wand, auf dem Admiral Dönitz zu sehen war. Es hing dort aus geschichtlichen Gründen, weil meinem Mann die Geschichte sehr wichtig ist. Es ist handsigniert und das Bild gelangte erst nach dem 2. Weltkrieg in den Besitz der Familie. Auf dem Foto sind auch zwei Kreuze zu finden. Das Eiserne Kreuz und das besagte, welches für den 2. Weltkrieg steht. Allerdings ist das besagte Kreuz dort so klein abgebildet, dass man schon sehr genau hinsehen muss, um es überhaupt zu sehen. Und so fiel es mir auch all die Jahre gar nicht auf.

Der Besuch der israelischen Mutter konfrontierte mich allerdings mit einem Problem. Das Problem, mit dem Umgang der deutschen Geschichte (2. Weltkrieg). Ich fühlte mich unwohl bei dieser Art Durchsuchung und erst recht unwohl, als sie mir auf dem Bild die Kreuze zeigte. Danach verschwand sie und ich blieb mit einem sehr eigenartigen Gefühl in der Bibliothek zurück.

Es ärgerte mich, dass ich von Schuldgefühlen geradezu durchsetzt war. Normalerweise hätte ich doch bei jedem anderen in so einer Situation sofort die Notbremse gezogen und gefragt, was der Sinn dieser Veranstaltung sei. Aber bei ihr gelang es mir nicht. Ich war gefangen in der Vergangenheit. Im Sinne der Generationenschuld?

Danach ärgerte ich mich über mich selbst und über die Generationenschuld. Und ich ärgerte mich, über das stetige «Aufwärmen» dieser Schuld im Sinne des ewigen Daraufhinweisens. Was ich all die Jahre, als ich noch in Deutschland war, erlebt habe.
Dieses immer wieder Daraufhinweisen hatte es also geschafft, dass ich mich vor ihr klein machte. Ich reagierte nicht authentisch. Gerade dieser Punkt ärgerte mich noch mehr, so dass ich beschloss mich von dieser Schuld emotional zu lösen. Ganz einfach deswegen, weil ich frei sein möchte.

Natürlich ist dies meine Integrationserfahrung und ich habe auch schon sehr positive Begegnungen mit Menschen aus Israel gehabt, aber diese Begegnung lastete auf mir. Und wenn man das Buch weiterliest, versteht man auch warum. Der 2. Weltkrieg bleibt nämlich leider Thema meiner Integration. Und das passiert mir, die nun wirklich geschichtlich nicht bewandert und interessiert ist. Aber ich spürte zum damaligen Zeitpunkt deutlich, jetzt kommt Ärger auf dich zu.

Mehr über Integration in Kreativer Gesellschaftsumbruch – Mein Leben als Theaterstück.

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