Schuldwäsche

(…) Maître des Humors: «Das ist schwierig mit dir. Du kannst nicht die Trennung der Geschichte zulassen. Das deutet auf emotionale Befangenheit hin. Hat was von unfrei. Unfrei und gefangen, können Worte hier wirklich das Gefühl von Freiheit wiedererlangen? Der klare Blick ist durch keine Objektivität getrübt. Aber Trübung bedeutet Flecke. Und Flecke kann man am besten durch Waschen entfernen. (…) endlich kommt es zur Schuldwäsche.»

Im Verlauf der Szene kommt es zu mehreren Waschgängen. In einem Wäschekorb findet sich fälschlicherweise eine andersfarbige Socke und wird entfernt, weil man Verfärbungen vermeiden will. Auch wird in der Szene Babywäsche gewaschen. Besonders empfindlich reagiert der Chefdramatiker, als es ich seine Babykleidung geht. Er möchte auf keinen Fall, dass diese leidet oder zerreisst. Der weitere Text handelt von Schuld und Freiheit.

Wie fühlt man sich, wenn man sich schuldig fühlt? Es ist ein drückendes Gefühl und der Blick ist oft gesenkt. Betreten schaut man zu Boden oder auf Tischplatten, weil man den direkten Blick seines Gegenübers meist nicht erträgt. Das Gefühl von Schuld wird regelrecht im Unterbewusstsein verankert, wenn es laufend thematisiert wird. Und was macht man mit Menschen, die man immerzu in ihrer Schuld leben lässt? Man hält sie gefangen. Fühlt sich unfrei an. Was aber ist mit Babys? Können Babys auch schuldig sein?

Die Szene beschäftigt sich mit der Hinterfragung einer übertragenen Schuld. Einer weitergereichten Schuld von Generation zu Generation. Sie fordert die Freiheit, für die, die wirklich unschuldig sind. Die Kinder.

Wer im Herz nicht geheilt ist, kann im Herzen nicht vergeben und lebt in Vergeltung und nicht in wahrem Frieden zu sich selbst.
Mehr in «Kreativer Gesellschaftsumbruch – mein Leben als Theaterstück

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