Unterwelt

Ausschnitt einer Szene

(…) Alle meine treuen inneren Freunde sehen mich schweigend an und ich spreche laut:
«Willkommen in der Unterwelt der menschlichen Charaktere!»
(…)

Maître des Humors, sagt mit starrem Blick: «Dort unten am Ende liegt unser Tor, nur unten am Ende kommt alles empor!»
Langsam begeben wir uns tiefer und tiefer. Ein mit Vogeldreck verschmiertes Tor öffnet sich. Der Vorhang zur Hauptbühne fällt und ein pestilenzartiger Gestank nimmt uns fast den Atem.
(…)

Und da sitzt sie – inmitten von Schaum! In Gedärmen und Knochen, ihr Blick ungebrochen. Theraphosa blondi! Die grösste Vogelspinne! Die Göttin der Unterwelt aller menschlichen Charaktere, die Kreatur am Abgrund! (…)

Theraphosa blondi, trällert mit reiner Operettenstimme: «Willkommen, seid willkommen bei mir, ich habe hier Tropfen, ich habe ein Elixier!»

Hintergrund

In dieser Szene verschafft mir die Göttin der Unterwelt in Gestalt einer riesigen Vogelspinne Einsicht und Analyse über meine Integrations-Bemühungen. Dramatisch wird dazu das Bild der Unterwelt verwendet. Der Prosatext zuvor handelt von einer Person im Dorf, die den Kindern nichts GUTES tat. Sie stellte sich fortlaufend als Opfer dar, und zwar als Opfer ihrer Krankheit.  Alle sollten sie bedauern und Verständnis haben. Ob die Kinder unter ihrer Abwesenheit litten, spielte keine Rollte. Ich kämpfte dabei nicht nur für meine Tochter, am Ende wollte ich es aus Prinzip. Und ich setzte es allein durch, ohne jegliche Unterstützung von anderen Eltern, die sich zwar bitterlich bei mir über den Vorfall beklagten, aber in der Handlungsunfähigkeit verharrten. Aus Angst? Oder Resignation?

Theraphosa blondi, vor sich hinsingend: (…) «Der Mantel des Zudeckens, des Wegsehens ist warm und geschmeidig. Und wer zeigt nicht gern mit dem Finger auf die, die sich schuldig gemacht haben, wenn man selbst unbeschmutzt ist, obwohl man hätte handeln können, aber es fehlte der Mut? (…) Das Gefühl «Ich bin nicht verantwortlich und wiege mich im Schosse der Unschuld, ich kann sowieso nichts machen (…), paart sich bedingungslos mit dem Gefühl die anderen, die anderen, nicht ich, nicht ich!» (…)

Mehr lesen in «Kreativer Gesellschaftsumbruch – mein Leben als Theaterstück»

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