Der Rahmen der Gesellschaft

(…) Ein lustiges Klavierstück erfreut die Ohren der Zuschauer, und ich erhebe mich aus meinem Sessel. Etwas kritisch betrachte ich die Veränderungen am Bühnenbild. Umbauarbeiten werden von Akteuren in einem Rahmenkostüm vorgenommen. Dazu ist das bühnenbildgestaltende Personal des Theaters einfarbig gekleidet, und auf dem Rücken ist ein grosser Rahmen im Kleiderfarbton festgemacht. (…)
So wird die Szene in eine Rahmenwerkstatt verwandelt und ein Bild erhält besondere Aufmerksamkeit. Es handelt sich dabei um ein kleines Bild, in Briefmarkengrösse, welches in einem viel zu grossen Rahmen steckt.

Im Prosatext wird zuvor über die Situation im Dorf geschrieben. Das Gerede über meine Familie und mich hatte bei einem Teil der Gesellschaft stark an Interesse gewonnen. Ungeniert, wenn nicht gar aufdringlich, versuchte man immer wieder Intimitäten aus mir herauszupressen. Man wollte das ganz Private, damit auch wirklich jeder seine Neugierde befriedigen konnte.
Die Szene heisst deswegen so, weil der Maître mir auf seine ganz spezielle Art erklärt, dass ich für einen Teil der Gesellschaft «Die aus dem Rahmen gefallene Frau bin». Aus dem Rahmen gefallen deswegen, weil ich nicht das mache und so lebe, wie andere es tun. Dabei geht die Gesellschaft in ihrem fantastischen Wahn von Neugierde so weit, Mutmassungen über meine Finanzen anzustellen.
Dazu hält die Szene 17 für den interessierten Leser einen lieblichen Vogelhaus-Vergleich bereit.

Liebe Maître, zu dem Zeitpunkt konnte ich deine Erklärungen noch nicht ganz nachvollziehen. Deswegen bemühte ich mich noch eine Weile weiter.

Mehr über die Wissbegierde mancher Menschen in «Kreativer Gesellschaftsumbruch – Mein Leben als Theaterstück». Das Buch liefert Stoff zum Nachdenken. Wer sanfte Berieselungs-Literatur erwartet, gehört nicht zu unserer Zielgruppe.

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